Hamlet For One
Hamlet For One
Eine Theaterkomödie von Dirk Heidicke
Mit:
Susanne Bard,
Gerald Fiedler,
Michael Günther
Was geschieht, wenn ein avantgardistischer Regisseur (Gerald Fiedler), eine gestandene Theater-Diva (Susanne Bard) und ein engagierter, aber unbegabter Jung-Schauspieler (Michael Günther) gemeinsam an einer Hamlet-Inszenierung arbeiten, bei deren Premiere überdies einige unvorhergesehene Dinge geschehen?
Wer die Namen der Darsteller und des Autors kennt, dürfte davon zumindest eine Ahnung haben. Denn zweifellos werden sich noch viele an die von eben diesen Protagonisten getragene Kult-Theater-Serie "Olvenstedt probiert's!" erinnern; also an turbulentes und intelligentes Theater, dem es gelungen war, eine legendär gewordene Brücke zwischen intellektuellem Anspruch und Volkstümlichkeit zu schlagen.
Ihren Reiz bezog diese Theater-Soap dabei nicht nur aus der Spielfreude der großartigen Schauspieler, sondern vor allem auch aus ihrer Doppelbödigkeit und der Grundsituation des "Spiels im Spiel" und wer von "Hamlet for one" etwas ähnliches erwartet, liegt zumindest nicht vollends falsch. Diesmal aber ringen nicht engagierte Laien um das Stück, sondern "richtige" Schauspieler an einem "richtigen" Theater. Auch hier freilich geht es konfliktreich zu. Und es treten natürlich enorme Widersprüche zwischen der Realität des Stückes, der der Inszenierung und der der an ihr Beteiligten zutage, die sich zur Premiere hin immer mehr zuspitzen...
In gewohnter Souveränität und virtuoser Hintergründigkeit überträgt Dirk Heidicke ewige und aktuelle gesellschaftliche Konflikte auf die Arbeit an der Inszenierung eines Stückes, das eben diese Konflikte zum Inhalt hat. Darüber hinaus leistet die Inszenierung einen witzigen Beitrag zur Diskussion über die Theaterstrukturen in Deutschland, indem sie das Ringen des Theaters um seine Existenzberechtigung, seine verzweifelte Suche nach einer gesunden Mitte zwischen elitären und anbiedernden Positionen komödiantisch offen legt. Die renommierten Darsteller stellen Darsteller dar, die in dieser turbulenten Komödie bis an den Rand ihrer geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit getrieben werden.
Im Gegensatz zu Satire oder Kabarett, die ihre Gegenstände nur in einer temporären, lokalen und personengebundenen Wirklichkeit verorten, zeichnet sich diese "Hamlet for one"- Inszenierung wie jede gute Komödie dadurch aus, dass sie über die in ihr verhandelten Gegenstände hinaus weist und unauflösbare Widersprüche in einer Weise vorführt, die zu befreiendem Lachen oder beschämtem Schweigen führt.
Wer also einen Abend lang befreit lachen oder beschämt schweigen möchte, wer Lust auf ein Wiedersehen mit Susanne Bard, Gerald Fiedler und Michael Günther hat, oder wer sich einfach die Freude an gutem Theater nicht nehmen lässt, sollte sich die Aufführung in der Brandenburger Straße auf keinen Fall entgehen lassen.